Podiumsdiskussion in leichter Sprache

Die St. Elisabeth-Stiftung hat mich zu einer Podiumsdiskussion in Ehingen eingeladen. Das Besondere war, dass die Diskussion in leichter Sprache stattfand. Es war eine tolle Veranstaltung, die von Menschen mit und ohne Behinderung geplant und durchgeführt wurde. Besonders beeindruckt hat mich das große Interesse der Menschen, vor allem für umweltpolitische Themen. Es ist nicht leicht, immer alles ohne Fachwörter und in kurzen Sätzen zu erklären. Aber es erinnert einen auch daran, worauf es ankommt: dass Politik für alle verständlich sein sollte.

Bericht aus dem Ehinger Tagblatt:

Wolfgang Dürrenberger, Leiter der begleitenden Dienste im Heggbacher Wohnverbund, hatte eine große Fahrradklingel in der Hand. Damit klingelte er jedes Mal, wenn ein Politiker ein schweres Wort wie „erster Arbeitsmarkt“, „Infrastruktur“ oder „Transparenz“ gebrauchte. Die Herausforderung, ihre Wahlprogramme in einfacher Sprache zu formulieren, meisterten die Podiumsteilnehmer im Lauf des Abends immer besser, was ihnen herzlichen Applaus der Zuhörer einbrachte.

In der voll besetzten Lindenhalle hörten die meisten Bewohner der Heggbacher Einrichtungen aufmerksam zu. Einige meldeten sich mutig zu Wort und stellten den Politikern Fragen, die gleichzeitig einfach und komplex waren. „Warum gibt es in so vielen Ländern Krieg?“, wollte einer wissen. Oder: „Warum werden so viele Bäume umgehauen?“

Die gut vorbereitete Veranstaltung, auf die in den Wohngemeinschaften des Heggbacher Wohnverbundes wochenlang hingearbeitet worden war, begann mit dem Bundesteilhabegesetz. Das gossen die Podiumsteilnehmer in die einfache Formel „Alle Menschen können überall mitmachen“. Ronja Kemmer (CDU) formulierte die Antragsbündelung so, dass jeder Mensch mit Behinderung nur noch einen Antrag auf einem Amt stellen müsse. „Niemand soll einen Nachteil haben“, sagte Hilde Mattheis (SPD) und Marcel Emmerich von den Grünen meinte, bisher habe ein behinderter Mensch in seiner Freizeit nicht alleine entscheiden können, wie er sie verbringen wollte. Das habe das Gesetz geändert, sagte Emmerich. Jeder Mensch solle in seiner Freizeit das machen dürfen, was ihm Spaß mache. Damit vereinfachte der 26-Jährige das Problem des „Poolens“, bei dem mehrere Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind, sich zusammentun beziehungsweise mehrere Betreuer teilen müssen.

Auf dem Podium saßen auch Eva-Maria Glathe-Braun, Kandidatin für die Linken, und Alexander Kulitz, Kandidat der FDP. Während er zugab, dass es ihn „freuen würde, ein Politiker zu werden“, ergriff Marcel Emmerich ziemlich unverblümt die Chance, für die Grünen zu werben. Gute Ideen scheiterten gelegentlich an den Parteien, die neben ihm säßen und auch in der Politik mehr zu sagen hätten, bedauerte der smarte Kandidat.

Wolfgang Dürrenberg zog aus einem Körbchen Fragen an die Kandidaten und Politiker, die in den einzelnen Wohngruppen vorbereitet worden waren. Dazu hatte die Sozialraumassistentin Christina Schrapp für die Bewohner Mappen zusammengestellt, anhand derer sie sich informieren konnten. Die Teams vor Ort formulierten dann gemeinsam die Fragen. „Wie stehen Sie zu Windkraftanlagen?“, war gefragt. Man brauche Möglichkeiten, den Strom dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird, meinte Ronja Kemmer. Im Gegensatz zu Atomreaktoren „ist Windenergie nicht gefährlich“, sagte Mattheis.

„Kann es auch in Deutschland zu Krieg kommen?“, war eine Frage, der die Befragten eher auswichen. Man müsse miteinander sprechen, um Konflikte zu lösen, antwortete Hilde Mattheis. „Wir möchten , dass Deutschland ein Vorbild ist und nicht Waffen in böse Länder schickt“, fasste Marcel Emmerich zusammen.

„Wir arbeiten in den Werkstätten den ganzen Tag und bekommen nicht einmal Mindestlohn“, klagte eine Publikumsstimme. Das fand auch Glathe-Braun ungerecht. Die Linken-Politikerin begrüßte auch den Schutz der Bäume und „man sollte dort bauen, wo schon was ist“, sprach sie sich für die innerstädtische Entwicklung aus. Weitere Fragen befassten sich mit der Elektromobilität, dem Lehrermangel, schlechten Busverbindungen und den Rechten Behinderter.

Fröhliches Ende

Musikalisch umrahmte eine Rhythmusgruppe die Veranstaltung und zur Belohnung gab es danach für alle eine Butterbrezel und Sekt. Und damit die Zuhörer auch den Kandidaten auf dem Wahlplakat wiedererkennen, hielten die Bewohner die jeweiligen Wahlplakate hoch, solange der Kandidat sprach. Die rundum gelungene Diskussionsrunde endete fröhlich und angeregt.

>> Bericht in der Schwäbischen Zeitung

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