Hitze, Wasser, Kilometer: So war meine „Tour d’Alb-Donau“ 2026

Tourtag 1

Am 28. Juli ging die viertägige Tour d’Alb in die nächste Runde! Wir bereits in den Jahren zuvor bin ich gemeinsam mit meinem Team und motivierten Grünen-Mitgliedern kreuz und quer durch den Alb-Donau-Kreis geradelt. Ein Themenschwerpunkt der zahlreichen Termine, die ich in den 4 Tagen Sommertour wahrgenommen habe, war der Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie der Schutz heimischer Gewässer. Um mehr über die Wasseraufbereitung- und Entnahme sowie den Erhalt der Wasserqualität für Mensch und Natur zu lernen, habe ich die Landeswasserversorgung in Langenau, ein Pumpwerk in Ehingen, Wasserbüffel im Donaumoos und viele weitere große und kleine Wasserheld*innen besucht. 

Die Tour startete mit bestem Sommerwetter und guter Laune im Gepäck und führte uns zunächst in den Norden Ulms. Den Auftakt machte dort die Schönrainmühle in Breitingen. Sie wurde bereits 1514 erstmals in alten Schriftzeugnissen erwähnt und war eine von acht Mühlen im Lonetal. Früher sicherte sie in Zeiten, in denen Missernten und Hungersnöte keine Seltenheit waren die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Heute ist die Mühle ein Museum und definitiv einen Besuch wert. Herzlichen Dank an Gerhard Stock für die spannende Führung. 

Weiter ging es zum Straußeneck in Holzkirch. Tierische Stopps gehören einfach zu jeder Sommertour. Auf der Farm leben derzeit rund 110 Strauße. Der ehemalige Milchviehbetrieb der Familie Hofelich wurde 2014 in eine Straußenfarm umgewandelt. Frau Hofelich betont, dass insbesondere die Aufzucht der Jungtiere besonders anspruchsvoll sei: Die Küken sind sehr empfindlich für Unterkühlung und dürfen daher weder nass werden noch Kälte ausgesetzt sein. Zudem seien sie sehr schreckhaft und lärmempfindlich. Ein spannender Austausch mit vielen interessanten Einblicken. 

Anschließend besuchten wir das Vereinsheim von Summervibrations in Weidenstetten. Der Verein entstand vor 26 Jahren aus einer Party und entwickelte sich zu einer festen Größe in der Region. Zu Spitzenzeiten kamen rund 3.700 Gäste zu den Osterveranstaltungen. Nach der Corona-Pandemie und wegen fehlender Helferinnen und Helfer finden heute kleinere Veranstaltungen statt. Schön, dass der Verein weiterhin das Dorfleben bereichert. 

In Nerenstetten besuchten wir anschließend die Lonetalziegen von Ina Kraus – die größte Ziegenherde im Alb-Donau-Kreis. Die Tiere werden zur Landschaftspflege eingesetzt und erreichen auch schwer zugängliches Gelände. Jeden Samstag zieht die Herde auf eine neue Fläche. 

Zum Abschluss des ersten Tages waren wir auf dem Biolandhof Seiffert in Eiselau. Neben Stall und Weiden beeindruckte besonders die neue Agri-PV-Anlage: Die Kühe finden darunter Schatten, während darüber Strom erzeugt wird. Ein zukunftsweisendes Projekt, obwohl der bürokratische Aufwand enorm war, wie mir berichtet wurde. Hier gibt es definitiv noch politischen Nachholbedarf. 

Eindrücke: Burenziegen, ein toller Baum bei Breitingen, Strauße und Kühe. Fotos: Büro Marcel Emmerich

Tourtag 2

Tag zwei meiner Tour durch den Alb-Donau-Kreis führte uns entlang der Blau. Los ging es mit einem Unternehmensbesuch bei Maurer Veranstaltungstechnik in Blaustein. Was einst mit selbstgebauten Lautsprechern begann, ist heute ein Unternehmen, das große Kongresse und Foren für nationale und internationale Kunden betreut. Im Gespräch mit Steffen Maurer ging es vor allem um die Stimmung in der Branche und die zunehmende Bürokratie. Vielen Dank für den offenen und wertvollen Austausch. 

Anschließend stand der geologisch-archäologische Rundgang in Gerhausen auf dem Programm. Dabei erfuhren wir Spannendes über die UNESCO-Welterbehöhlen im Lone- und Achtal sowie über die geologischen Prozesse, die unsere Landschaft geprägt haben. Auch der hochwertige Kalkstein ist dabei entstanden und bis heute für die regionale Pharmaindustrie von Bedeutung. 

Eindrücke von Tag 2: Maurer Veranstaltungstechnik in Blaustein, Blaubeurer Landschaft, Besuch bei Teva und bei der Feuerwehr Altheim. Fotos: Büro Emmerich

Direkt im Anschluss konnten wir das bei der Werksbesichtigung der Teva GmbH in Blaubeuren-Weiler erleben. Dort befindet sich Europas größte Produktionsanlage für konservierungsmittelfreie Nasensprays. Die Sicherheits- und Hygienestandards sind beeindruckend, denn selbst kleinste Verunreinigungen werden in Partikeln pro Kubikmeter gemessen. Ein spannender Einblick in einen modernen Hightech-Betrieb. 

Weiter ging es nach Schelklingen, wo wir uns weiter mit Leitthema Wasser der diesjährigen Tour beschäftigt haben. Hier entstand die erste Wasserleitung mit einem Pumpwerk im Schmiechtal. 1871 floss erstmalig Wasser den Berg hinauf und versorgte die Dörfer auf der Alb. Heute erreicht das Grundwasser aus dem Schmiechtal rund 8.000 bis 9.000 Menschen auf der Alb. Doch sinkende Niederschläge erschweren die natürliche Neubildung des Grundwassers. Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch hier deutlich spürbar. Gleichzeitig wird eine sichere Wasserversorgung oft als selbstverständlich angesehen. Mit dieser Tour möchte ich deshalb den Blick stärker auf ihre Bedeutung lenken. 

Den Abschluss bildete der Besuch der Freiwilligen Feuerwehr in Altheim. Für einen Ort mit rund 600 Einwohnern sind 22 aktive Feuerwehrleute ein starkes Zeichen für ehrenamtliches Engagement. Im Austausch ging es unter anderem um Bevölkerungsschutz und die wachsenden Herausforderungen durch Hochwasser. Es ist toll zu sehen, mit wie viel Einsatz sich die Menschen vor Ort für ihre Gemeinschaft engagieren.

Tourtag 3

Am dritten Tourtag hatten wir bereits ordentlich mit der Hitze zu kämpfen. Umso passender, dass sich an diesem Tag erneut viele Termine um das Thema Wasser drehten. 

Zum Start statteten wir den Wasserbüffeln im Donaumoos einen Besuch ab. Sie werden vom Klaiber-Biobetrieb gehalten und sind auf Wasser angewiesen, um sich darin zu suhlen. So entsteht eine Schlammschicht auf ihrer Haut, die sie effektiv vor Hitze und Insekten schützt. Ernste Sorgen bereitet dem Betrieb derzeit die Unsicherheit bei den Nutzungsverträgen mit dem Land. Diese werden nur sehr kurzfristig vergeben und erschweren eine verlässliche Planung erheblich. Aus dem Gespräch konnte ich daher wichtige politische Impulse mitnehmen. 

Anschließend ging es nach Langenau. Von hier aus werden über die Landeswasserversorgung 250 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg und Bayern mit Trinkwasser versorgt. Zwar wird Grundwasser aus dem Donauried entnommen, die wichtigste Quelle ist jedoch die Donau. Damit ist Langenau ein zentraler Standort für die Wasserversorgung und die Infrastruktur von Baden-Württemberg, was mir zuvor gar nicht so bewusst war. 

Bei unserem anschließenden Besuch in Altheim (Alb) wurden wir vom Bürgermeister und dem BUND herzlich mit selbst gepresstem Apfelsaft empfangen. Es entwickelte sich ein reger Austausch über viele Themen, die die Menschen vor Ort derzeit bewegen. Dazu gehörten unter anderem die Entrüstung der Bevölkerung in Anbetracht der Reform des Informationsfreiheitsgesetzes, die Herausforderungen beim Bauen sowie der ausbaufähige Nahverkehr in Richtung Ulm. 

Danach ging es weiter zum Märkleshofeis. Das Ehepaar Preißing hat sich dazu entschieden, aus der eigenen Milch Eis herzustellen, nachdem die Milchpreise so stark gefallen waren, dass eine wirtschaftliche Zukunft allein mit der Milchproduktion kaum noch möglich war. Wir sprachen über den demografischen Wandel, die Rentenpolitik, die Landwirtschaft und die stärkere Förderung von Ausbildungsberufen. 

Die vielen Begegnungen und der offene Austausch haben mich sehr gefreut. 

Eindrücke Tag 3: Wasserbüffel im Langenauer Ried, Goldenes Buch in Altheim (Alb) und Landeswasserversorgung Langenau. Fotos: Büro Emmerich

Tourtag 4

Auch der letzte Tag der Tour hielt noch einige Highlights für uns bereit. 

Passend zu unserem Motto „Ohne Wasser kein Leben“ starteten wir mit einem Besuch im Pumpwerk in Ehingen. Dabei wurde deutlich, dass die Wasserqualität im Alb-Donau-Kreis – zu unser aller Freude – hervorragend ist. Ein Teil des Wassers aus Grundwasser, Flüssen und Niederschlägen ist so sauber, dass keine Aufbereitung nötig ist. Gleichzeitig lässt der heiße Sommer den Wasserverbrauch um rund 30 Prozent steigen. Zwar konnten sich die Grundwasservorräte in den letzten 2 Jahren etwas erholen, langfristig zeigt der Trend jedoch abwärts und könnte sich in den kommenden Hitzesommern noch verschärfen. 

Auf dem Weg zu unserem nächsten Stopp in Emeringen fiel auf, dass die Fahrradinfrastruktur in diesem Teil des Kreises noch Verbesserungspotenzial hat. Das ist definitiv einer der Punkte, die ich mitnehmen werde. In Emeringen verarbeitet Elmar Mößlang Obst aus der Region zu Schnaps, darunter auch Streuobst. Der ehemalige Hühnerstall der Familie wurde zu einer Ferienwohnung und Schmuckwerkstatt umgebaut. Dort können Paare unter Anleitung von Elisabeth Mößlang sogar ihre Trauringe selbst schmieden. 

Im Anschluss ging es zum Biosphären-Infozentrum nach Dächingen. Rund 20 Ehrenamtliche bieten dort Wanderungen und weitere Angebote an, die den Blick auf die eigene Heimat und das Thema Nachhaltigkeit schärfen. Katrin Brosch, selbst Ehrenamtliche im Infozentrum, ist Rektorin der Biosphären-Grundschule und hat dort eine Biosphärenstunde eingeführt. Gemeinsam mit Ortsvorsteher Alfons Köhler hat sie uns berichtet, wie Kinder auf spielerische Art eine Beziehung zur Natur und ein Bewusstsein für ihre heimische Flora und Fauna entwickeln. 

Eindrücke Tag 4: Über Stock und Stein mit dem E-Bike, Verkostung bei Elmar Mößlang, unterwegs heimische Melonen, Erfrischung an der Lauter. Fotos: Büro Emmerich

Unser Tourabschluss führte uns ins Lauter-Café „Schneggahäusle“ nach Lauterach zum dortigen Biosphären-Infozentrum. Eine engagierte Gruppe macht dort unter anderem Bastelangebote für Kinder. Woldemar Mammel und Franz Häußler erzählten uns, wie sie die heimische Linsensorte „Albleisa“ nachdem sie jahrzehntelang von der Schwäbischen Alb verschwunden war, wiederbelebten. Heute sind ihre Linsen in Supermärkten in Baden-Württemberg und Teilen Bayerns zu finden und die Region wieder das größte Linsenanbaugebiet Deutschlands. 

Ein gelungener Abschluss einer abwechslungsreichen Tour. Trotz der hohen Temperaturen haben wir alle Etappen geschafft und erneut erlebt, wie vielfältig und engagiert unsere Region ist. Ich freue mich schon auf die Tour im nächsten Jahr. 

Schön war’s! Ich freu mich schon aufs nächste Jahr.